Sind die Produkte für hohe Temperaturen ausgelegt?

Ob ein Eimer oder Becher für hohe Temperaturen, eine Warmabfüllung oder Heißabfüllung geeignet ist, hängt vom jeweiligen Artikel und von den konkreten Anwendungsbedingungen ab.

Entscheidend sind insbesondere die Temperatur, die Dauer der Temperatureinwirkung, die Art und Zusammensetzung des Füllguts sowie die anschließenden Lager- und Verarbeitungsbedingungen. Eine pauschale Temperaturfreigabe für alle Kunststoffverpackungen ist daher nicht möglich.

Auf unseren Produktseiten finden Sie – soweit für den jeweiligen Artikel verfügbar – konkrete Angaben zur Hochtemperaturanwendung und zu den zugrunde liegenden Zeit-Temperatur-Bedingungen. Zusätzlich können Verarbeitungshinweise des Herstellers gelten, beispielsweise zur maximal empfohlenen Abfülltemperatur, zur Abkühlzeit oder zum Stapeln nach der Abfüllung.

Wichtig: Eine unter bestimmten Prüfbedingungen bestätigte Lebensmittelkonformität ist nicht automatisch mit einer uneingeschränkten praktischen Einsatzfreigabe bei derselben Temperatur gleichzusetzen. Neben der Migration von Stoffen können bei höheren Temperaturen auch die mechanischen Eigenschaften der Verpackung beeinflusst werden. Kunststoffe können mit steigender Temperatur weicher werden und sich unter Belastung verformen.

Bei Lebensmittelanwendungen spielt außerdem die Zusammensetzung des Füllguts eine wichtige Rolle. Unter anderem können Fett- und Wassergehalt sowie weitere Eigenschaften des Lebensmittels für die Beurteilung der vorgesehenen Anwendung relevant sein.

Prüfbedingungen nach Verordnung (EU) Nr. 10/2011

Für Kunststoffmaterialien und -gegenstände im Lebensmittelkontakt definiert die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 unterschiedliche Prüfbedingungen für Migrationstests. Die sogenannten Overall Migration Tests (OM) bilden unterschiedliche vorhersehbare Kontaktzeiten und Temperaturen ab.

Für Anwendungen mit erhöhter Temperatur sind insbesondere die tatsächliche Kontaktzeit und Kontakttemperatur zu berücksichtigen. Die in OM2 und OM3 verwendete Zeit-Temperatur-Beziehung für entsprechende Kontaktbedingungen zwischen 70 und 100 °C ist im nachfolgenden Rechner dargestellt.

Der Rechner dient der Orientierung bei der Einordnung der Zeit-Temperatur-Bedingungen. Das berechnete Ergebnis stellt keine produktspezifische Freigabe für eine bestimmte Abfülltemperatur dar. Bitte beachten Sie deshalb immer die Angaben auf der jeweiligen Produktseite sowie die verfügbaren technischen und Konformitätsunterlagen.

Zeit-Temperatur-Rechner für Heißabfüllung (70–100 °C)

Zeit-Temperatur-Beziehung für die unter OM2 und OM3 der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 beschriebenen vorgesehenen Kontaktbedingungen: t = 120 / 2^((T − 70)/10)

Berechnete Kontaktzeit
–
Min : Sek

Wichtig: Die berechnete Zeit bildet die Zeit-Temperatur-Beziehung für die unter OM2 und OM3 der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 beschriebenen vorgesehenen Lebensmittelkontaktbedingungen ab. Sie stellt keine allgemeine Temperaturbeständigkeit oder Freigabe einer bestimmten Verpackung für die Heißabfüllung dar. Bitte beachten Sie immer die produktspezifischen technischen Angaben und Verarbeitungshinweise.

Übersicht der standardisierten OM-Prüfbedingungen

Die folgende Übersicht zeigt die standardisierten Prüfbedingungen für die Gesamtmigration nach Anhang V der Verordnung (EU) Nr. 10/2011. Die Prüfbedingungen dienen zur Beurteilung der Migration und sind nicht mit einer produktspezifischen Temperaturfreigabe gleichzusetzen.

Prüfung Prüfbedingung Vorgesehene Lebensmittelkontaktbedingungen
OM0 30 min bei 40 °C Kurzer Lebensmittelkontakt (≤ 30 Minuten) bei kalter oder Umgebungstemperatur
OM1 10 Tage bei 20 °C Lebensmittelkontakt unter Tiefkühl- und Kühlbedingungen
OM2 10 Tage bei 40 °C Langzeitlagerung bei höchstens Raumtemperatur, einschließlich entsprechender Heißabfüll- und Erwärmungsbedingungen
OM3 2 Stunden bei 70 °C Heißabfüllung bzw. Erwärmung ohne anschließende Langzeitlagerung bei Raumtemperatur oder unter Kühlung
OM4 1 Stunde bei 100 °C oder bei Rückfluss Hochtemperaturanwendungen für alle Arten von Lebensmitteln bis 100 °C
OM5 2 Stunden bei 100 °C bzw. bei Rückfluss oder alternativ 1 Stunde bei 121 °C Hochtemperaturanwendungen bis 121 °C
OM6 4 Stunden bei 100 °C oder bei Rückfluss Bestimmte Lebensmittelkontaktbedingungen über 40 °C in Abhängigkeit vom verwendeten Lebensmittelsimulanz
OM7 2 Stunden bei 175 °C Hochtemperaturanwendungen mit fetthaltigen Lebensmitteln, welche die Bedingungen von OM5 überschreiten

Wichtiger Hinweis

Die OM-Prüfbedingungen beschreiben standardisierte Bedingungen für Migrationsprüfungen. Sie bedeuten nicht automatisch, dass eine bestimmte Verpackung praktisch bei der jeweiligen Prüftemperatur eingesetzt werden kann.

Bei erhöhten Temperaturen können neben der Migration auch die mechanischen Eigenschaften einer Verpackung eine entscheidende Rolle spielen. Bitte beachten Sie deshalb immer die produktspezifischen Angaben, technischen Daten und Verarbeitungshinweise.